Die implizite Volatilität ist jener Volatilitätswert, bei dem ein Optionspreismodell unter festgelegten Annahmen mit einem beobachteten Optionspreis übereinstimmt. Sie wird aus der Prämie abgeleitet, nicht direkt aus vergangenen Renditen gemessen, und meist als annualisierter Prozentsatz angegeben.
Der Preis von Unsicherheit
Die Berechnung verbindet den Optionspreis mit Basiswertkurs, Ausübungspreis, Restlaufzeit sowie Zins- oder Carry-Annahmen. Die IV fasst die in dieser Option eingepreiste Unsicherheit zusammen. Sie ist weder garantierte Prognose realisierter Volatilität noch Richtungsprognose oder Gewinnwahrscheinlichkeit.
Bei sonst unveränderten Bewertungsgrößen erhöht eine höhere IV gewöhnlich den Wert normaler Calls und Puts. Sinkende IV kann eine gekaufte Option verbilligen, obwohl sich der Basiswert in die erwartete Richtung bewegt. Der innere Wert hängt weiterhin von Basiswert und Ausübungspreis ab, nicht von IV.
Vergleichbare Größen verwenden
Optionen desselben Vermögenswerts können je Ausübungspreis und Verfall unterschiedliche IVs aufweisen. Unterschiede über Ausübungspreise bilden Skew oder Smile; über Laufzeiten eine Laufzeitstruktur. Eine Zahl beschreibt somit nicht den gesamten Optionsmarkt.
Auch Modell und Kursauswahl zählen. Geld-, Brief- und Mittelkurs können besonders in illiquiden Märkten verschiedene IVs ergeben. Beim Vergleich mit historischer Volatilität müssen Zeithorizonte und Rechenkonventionen passen. Zugleich enthalten Optionspreise Absicherungsnachfrage und eine Vergütung für übernommenes Risiko.